Thursday, April 28, 2011

Holter Burg - Zwischenstand

Holter Burg Mauern
2006 und 2007 fanden intensive archäologische Untersuchungen an den Resten (siehe oben) der Holter Burg bei Bissendorf statt. Eine der nordwestlichsten Höhenburgen in Deutschland. Zunächst kamen erstaunlicherweise gut erhaltene Mauerzüge zum Vorschein. Samt den Fundamenten des Haupttors und einer Kapelle. Die Reste wurden gesichert, zum Teil rekonstruiert und sind jetzt gut sichtbar. Als Ergebnis wurde auch die Wikipedia-Seite aktualisiert:
Holter Burg


Ein GaLa-Bau, Hyco Verhaagen wird das Ganze landespflegerisch gestalten. Siehe die Pläne hier.

Zuvor aber noch eine Ankündigung der Stadt Bissendorf. Es gibt am 14. Mai einen Tag gewidmet der Holter Burg: "Erlebnis Holter Burg"

Die Gemeinde Bissendorf hat in enger Abstimmung mit der Stadt- und Kreisarchäologie in den vergangenen 12 Monaten eine Vielzahl an unterschiedlichen Arbeitsprojekten durchgeführt, die nun ihrer Vollendung entgegenstreben und am 14. Mai vorgestellt werden sollen. Dazu gehören u.a.:
• Hinweisschilder für den Autoverkehr an den wichtigsten Verkehrsknotenpunkten
• Umfassende Beschilderung im Bereich der Holter Burg, der Zuwegung und des Parkplatzes mit Erklärungen zur Baugeschichte, zur Funktion der Burggebäude und zur Familiengeschichte der „Edlen zu Holte“
• Informationsblatt über die Holter Burg und den Ort Holte
• Neue Publikation in der Reihe der „Großen Kunstführer“ des Verlags Schnell und Steiner mit dem Titel „Holte und die Holter Burg“
• Neue Internetseite www.holterburg.de mit zahlreichen Informationen und Hinweisen, z.B. über Rundwanderwege, Führungen über das Burggelände, Informationen über historische Besonderheiten in der näheren Umgebung, Sonderveranstaltungen, touristische Hinweise und vieles andere mehr.

Die Internetseite allerdings ist noch nicht online.

Tuesday, April 26, 2011

Steinwerke und kein Ende

Steinwerk Bierstraße
Je weiter man von Osnabrück entfernt lebt, fragt man sich, wofür diese Stadt eigentlich steht. Der Westfälische Friede (Rathaus) und Fußball vielleicht. Aber beides ist nicht gleich für Auswärtige greifbar. Sagen wir für Städtebesucher zum Beispiel. Aber Osnabrück hat diese alte Bausubstanz aus dem Mittelalter, einen Bautyp, der sehr selten geworden ist. Jahrhunderte haben ihn in Norddeutschland wieder entfernt, die Steinwerke. Und weil es auch wissenschaftlich von Interesse ist, wurde daran die letzten Jahre geforscht, aufgelistet und archiviert. Und - nichts. Die Daten liegen brach, auch eine Geldfrage. Wenigstens werden die Unterlagen darüber wieder für weitere Forschungsarbeiten verwendet:
In den vergangenen Jahren konnte in Osnabrück die Katalogisierung der bestehenden und ehemals vorhandenen Steinwerke erfolgreich vorangetrieben werden. Nach Beendigung der Finanzierung dieses Projektes verschwanden diese wichtigen Daten jedoch in der Schublade. Im Rahmen dieses Dissertationsprojektes soll die Bestandsaufnahme abgeschlossen werden. Darüber hinaus ist es das Ziel, vor allem die gewölbten Steinwerke anhand ausgewählter Objekte bauhistorisch zu untersuchen. Als Forschungsansatz stehen insbesondere die Dimensionierung der ursprünglichen Vorderhäuser als auch Fragen zur Kaminsituation und Nutzungsstruktur in den Steinwerken im Vordergrund.

Die Steinwerke der Stadt Osnabrück, Technische Universität München
Steinwerk Bierstraße von 1180
Bierstraße 7 um 1180 erbaut
mit romanischen Fenster:
Steinwerk Bierstraße

Sunday, April 24, 2011

Misrata II

http://www.blogger.com/img/blank.gif
Dieses Video zeigt Panzer der Gadaffi-Truppen, die wohl wegen der Luftangriffe in Misurata in Häusern geparkt wurden, um von dort aus die Innenstadt zu beschiessen.

Update:
Häuserkampf
Ich werde das mal als Bookmark benutzen. Kann sich jeder selbst eine Meinung darüber bilden.

Update II Das westliche Libyen
Wikipedia: Battles of the Nafusa Mountains, wird aktualisiert.

Update III
Libya February 17th 2011
Einige aktuelle Übersetzungen und Quellenzusammenfassungen.

Friday, April 22, 2011

Misrata


Es scheint, dass Gaddafis Truppen aus dem Zentrum Misuratahs verschwunden sind. Nachdem zwei Journalisten und vor kurzem schon wieder ein Netizen-Journalist in Libyen umgekommen sind, drehen andere unvermindert weiter und laden unermüdlich ihre Videos ins Internet hoch. Rohfassungen und wenig überarbeitet.

Im Zentrum die umkämpfte Tripolis-Straße, eine Gegend in der Sniper, Scharfschützen eingesetzt worden sein sollen. Die Aufständischen sollen einen Überraschungsangriff gegen diese gestartet haben. Das Ergebnis ist die Rückeroberung einzelner Gebäude. So jedenfalls die Berichte. Und das klingt etwas anders als die gängigen Medien wie Spiegel-Online schildern.

Khalid Ahmed Alghirani Remembered

Wenn man mal den ganzen Meinungsmüll auf der Kommentarseite des Libyen-Blogs von Al Jazeera beiseite räumt, bleiben einige Beobachter der Szene in Misrata, die ständig neue Situationsbeschreibungen abliefern. Ganz auffällig die Kommentare von Gerhard Heinz. Der muss Insiderwissen über militärische Operationen haben. So scheint es jedenfalls.
Libya Live Blog - April 22

Gerhard Heinz:
my last comment up to the evening
freelibya2011write simply correct gaddafi -jugend
i write in the beginning of this blog
there is a point a army colapse
this point is coming now
you will see things speed up dramaticly
east have a stop on press information about different reasons ,but not bad one for ff.
sirte is neutralised .
west ff get control back
misrata will consulidate today and daffis troops are step back
we will see what in tripoli start this weekend ,but i am realy optimistic about this.
have a nice day
i come back at 20.00


Mal sehen wie die Prognosen ausgehen.

Noch ein Video:


Update: Gerhard Heinz stellt eine weitere Prognose auf, und ich denke, er liegt da richtig. Die sogenannten Pro-Gaddafi-Stämme werden die Seite wechseln, und nicht wie es in den Medien heisst, selbst möglicherweise in Krieg gegen die Aufständischen eingreifen:
here are talks between high people in libya since weeks.(and some people in germany manage it)
remember my comment about daffi is not good for buisiness.
nearly all this people waiting to a point they can join the winning side without a risk
this point is comming this week,
ff from east are sill in the east becouse this people from other citys dont want to loss their influenz and position in the future.
they see now very clear that there is no future with the daffi clan,only a lack of money and bad buisiness,
they change sides now and will manage the situation together.
no place for daffi in libyas future


23. April, einer von vielen seine heutigen Kommentare beim Blog von Al Jazeera.

Sunday, April 10, 2011

Alte Akten

Postsendung
Meine Verbindung zu Osnabrück beruht auch auf der jährlichen Zustellung der Osnabrücker Mitteilungen. Der Osnabrücker Verein für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück ist Herausgeber. In der jüngsten Ausgabe Band 115 berichtet Raimond Reiter über "die Opfer der NS-Psychatrie aus Osnabrück". Viele Quellen werden genannt. Aber ich vermisse eine über die Euthanasie an den Patienten des ehemaligen Landeskrankenhauses. Die Akten des Landeskrankenhaus, die jetzt im Staatsarchiv Osnabrück liegen müssten. 1985 habe ich meinen Zivildienst im LKH abgeleistet und eine meiner Aufgaben war die Archivierung der alten Patientenakten seit dem 19. Jahrhundert. Der Geruch der verstaubten und süßlich riechenden Dokumente in Kellerräumen des historischen LKHs auf dem Gertrudenberg ist mir noch gut in Erinnerung. Akte um Akte sind wir durchgegangen und haben sie für die Registrierung dokumentiert. Die Übergabe an das Staatsarchiv stand bevor. Und auffällig: Die Abgänge gegen Ende der NS-Herrschaft. Die Patienten wurden ermordet, Herkunft Ostfriesland, Emsland bis zum Osnabrücker Land. Kenntlich gemacht durch sich wiederholende rote Kreuze. Das Ende einer Psychatrie, die nach 1850 so hoffnugsvoll begonnen hatte (alle sind heilbar). Scheinbar ist dieses Archiv unberücksichtigt für die aktuelle Arbeit geblieben, schade. Oder ich habe etwas übersehen. Als Quellen werden jedenfalls andere Dokumente aus anderen Archiven genannt.

Thursday, April 07, 2011

Nachtrag: Grabung am Marienhospital

Eine der wichtigsten archäologischen Ausgrabungen in der Neustadt Osnabrück war die am Marienhospital 2008 , kurz vor einem Neubau-Projekt. Mit was für Funden zu rechnen war, zeigt der Prozess der Dokumentation und Einordnung der Objekte:
Aufarbeitung der Funde aus der Grabung Marienhospital
Im Kreuzgang der Johanniskirche war vor einigen Jahren ein langes Foto (vielleicht noch vorhanden), es zeigt die Johannistraße. Ich habe versucht das Bild mit der Digikamera festzuhalten, als Video. Gar nicht so einfach aus der Hand. Den historischen Kern der Neustadt kann man beim Vorbeischreiten gut erkennen. In der Nähe waren auch die Ausgrabungen. Das Video beginnt am Neumarkt.

Tuesday, April 05, 2011

Eine Karriere im Königreich Hannover

Tja, 19. Jahrhundert. Die Geschichte hätte anders verlaufen können. Das Königreich Hannover verlor aber gegen Preußen. Ansonsten hätte man im Königreich später von einem der wichtigsten Denkmalkünstler des Landes gesprochen. So ist er nun ein deutscher Bildhauer. Heinrich Pohlmann, der diese Skulptur geschaffen hat:
Johann Carl Bertram Stüve
http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Pohlmann
Heinrich Pohlmann wuchs heran als Sohn eines Bauern. Während seiner Zimmermannslehre fiel einem Adjutanten des Königs von Hannover Pohlmanns Talent bei der Anfertigung von Schnitzereien auf. Er verhalf Pohlmann zu einer Förderung, die diesem von 1861 bis 1864 den Besuch der Akademie der Künste in Berlin ermöglichte. Hier wurde er Schüler von Fritz Schaper und Albert Wolff. Gefördert durch ein Stipendium des Königs von Hannover konnte Pohlmann 1866 eine Studienreise nach Italien antreten.

Das Denkmal selbst ist für einen Osnabrücker Bürgermeister. Auch hier kann man von einer Größe in Hannover sprechen:
Johann Carl Bertram Stüve, schon lange wieder zurückgestutzt auf regionale Bedeutung.

Saturday, April 02, 2011

Die Kapitelle des Kreuzgangs

Dom Osnabrück by Jens-Olaf
Dom Osnabrück, a photo by Jens-Olaf on Flickr.

Sie gehören zu den ältesten Architekturzeugen der Stadt. Die Originalteile wurden vor einiger Zeit ausgewechselt. Über 1000 Jahre steinerne Baugeschichte der Sadt Osnabrück finden sich im Kreuzgang des Doms .


Dazu gehören die Baumsargbestattungen der frühen Zeit. Hier in der Ausgrabungs-Dokumentation der Archäologinnen Ellinor Fischer und Sara Snowadsky.
Baumsargbestattung
2007 im Kreuzgangsbereich:
Domgrabung Osnabrück

Saturday, March 19, 2011

Nochmal verschätzt

Während Deutschland gegenüber Libyen eine unklare Haltung einnimmt, schickt Norwegen Kampfflieger. Norwegen ist nicht EU aber Nato. Ansonsten eher zurückhaltend. Aber jetzt verschieben sich nationale Prioritäten:
Norwegen schickt sechs F16

Neue Zeiten.
Und keine einfachen Antworten.

Thursday, March 03, 2011

Fehlprognose

Osnabrücker können deutliche Worte finden. Bundespräsident Christian Wulff hat seine Meinung zu Muammar Muhammad al-Gaddafi gesagt.
Erhoffte Konsequenz: Time over für den libyschen Führer.

Vor mir in meinem Bücherbord steht "The Clash of Civilizations" von Samuel P. Huntington.

Für die Konfuzianer in Asien hatte er keine gute Prognose gestellt. Aber er lag falsch. Südkorea, das konfuzianischte von allen, kämpft sich Schritt für Schritt weiter auf dem Weg der Demokratie vor.
Für die Araber sah es düster aus, leicht zu glauben damals in den 90ern. Beschämend, dass man selber davon überzeugt war.

Thursday, February 24, 2011

Steinwerke Update



Unsere westfälische Nachbarstadt Soest war fündig. 2006 wurde die Ausgrabung eines Kellers dokumentiert, der auf ein Steinwerk zurückzuführen sei. Dazu muss man wissen, dass um 1200 die tonangebenden Handelsstädte der Region Osnabrück, Minden, Soest und Münster waren und in der Stadtwerdung schon weite Fortschritte zeigten. Im Hausbau war dabei das Steinwerk ein wesentlicher Bestandteil. Der aber weitgehend aus den Stadtbildern wieder verschwunden ist. Aus Münster wohl bereits komplett.

Hier die pdf-Datei.

Und hier ein neuer Ansatz Archäologie und geisteswissenschaftliche Erkenntnisse bei der Deutung von Steinwerken und ihrer Funktion zu verbinden.

Olaf Goldstein: Steinwerke - Source for the Social History of High Medieval Towns?

Steinwerk Ledenhof
Steinwerk Ledenhof

Übrigens, eine Dozentin aus den USA hat kürzlich einen Kommentar zum Flickr-Fotoset Steinwerke hinterlassen. Steinwerke sind jetzt auch Vorlesungsstoff an der Pennsylvania State University.

Thursday, February 10, 2011

Möglichkeiten

Das Internet. Seit Beginn bin ich von den Möglichkeiten, das es bietet, überzeugt. Aber genutzt wird es nur in Ansätzen. Beispiel Bildersuche: Eine Amerikanerin hat die Fotosammlung ihres Großvaters aus Zeiten kurz nach dem 2. Weltkrieg entdeckt. Sie hat es in Flickr hochgeladen. Keine Ahnung, wo sie gemacht wurden. Seit ich die Fotos vor sechs Jahren das erste Mal gesehen habe, wuchs der Ehrgeiz, die Rätsel der Aufnahmen zu entschlüsseln. Wo wurden sie aufgenommen? Heute war ein weiteres Foto fällig:
WWII Germany
Und hier das Ergebnis:
Stop in Augsburg, Bavaria, Germany.
Riegele

Flickr.Member www.flickr.com/photos/augschburger/
Brauerei Riegele, brewery
www.flickr.com/photos/85441160@N00/407863835/

You can see the chimney:
www.flickr.com/photos/27045884@N05/3228393843

This is the offical page. Click on the historical photo, enlargment shows the main building:
www.riegele.de/zum_brauhaus/1312,5,5.php

maps.google.com/maps?f=q&source=s_q&hl=en&geo...

Tuesday, February 01, 2011

Denkmalschutz Steinwerke

In den letzten Posts über die mittelalterlichen Steinwerke in Osnabrück wurden vor allem Parallelen zu ähnlichen Bautraditionen benachbarter und weiter entfernter Städte gezogen. Wie sieht es mit dem Bestandsschutz bei uns aus?
Weitgehend werden die Steinwerke in Osnabrück genutzt. Zum Beispiel in dem mehrphasigen Gebäudeensemble "Grüner Jäger". Erkennbar an den dicken Mauern, wenn man die Toiletten aufsucht:
Grüner Jäger
Die Besitzer des Restaurants Manolo in der Hasestraße mussten erst das Gebäude renovieren, dafür ist eines der besterhaltensten Steinwerke der Stadt zu erkennen. Mit dem seltenen Dachgewölbe.
Wie viel Eigeninitiative nötig war, ist auf der Webseite des Manolo zu lesen:

Auf der Südseite wurde über Jahrzehnte die Abschlußschiene nicht gewartet, über das Flachdach konnte sich das Wasser seinen weg bahnen. Die ein Meter dicken Mauern waren völlig durchfeuchtet und es dauerte fast zwei Jahre bis die voll gesogenen Steine getrocknet waren.

Wer das Resultat der Bemühungen sehen möchte, hier klicken.

Tuesday, January 18, 2011

3. Ldst.-I.-Ers.-Btl. Braunschweig (X. 17) reverse

Eine Postkarte aus Osnabrück. Auf der anderen Fotoseite ein Gruppenbild im Kriegsgefangenenlager Ahlen.

Der Text von 1916 im 1. Weltkrieg:
Osnabrück 7. 1. 1916
Mein Liebes Annerli!
Unter herzlichen Danke für dein liebes Briefchen schicke ich dich hier als vorläufige Antwort diese Karte als Beitrag für dein neues Feldpostkartetalbum. Dort hast du wohl auch vielen anderen Photographien vom Moore untergebracht? Für heute herzlichste Grüße und Küsse von deinem dichliebenden Brüderlein.

Tja, Postkarte hochgeladen,, irgendwo weit weg von drakegoodman.

Saturday, January 08, 2011

Rückblick Neustadt

Einige Posts, die ich in den letzten Jahren veröffentlichen wollte, sind einfach untergegangen. Auch diese Fußnote zu den Ausgrabungen auf dem Marienhospitalgelände.
Die Neustadt ist ein äußerst interessanter Teil Osnabrücks, wenn man weiß, dass sie lange sehr selbstständig war und im Umfang zu einer der größten Mittelalterstädte Norddeutschlands gehört. Aber das ist nicht sofort erkennbar, obwohl mit Rathaus und Johannskirche noch bedeutende Relikte der Vergangenheit stehen. Aber unter der Oberfläche verbirgt sich noch viel.
Das ist nun umgesetzt, das neue Kinderhospital:
Marienhospital
Und das ist wahrscheinlich für die Fundamente des neuen Hospitals verschwunden:
Ausgrabung Marienhospital
Ein Brunnen, und der anstehende Sandboden.
Mauerzüge mit dem örtlichen Bruchstein:
Ausgrabung Marienhospital
Auch aufrechte Mauern gab es hier noch vor ein paar Jahren:
Neustadt Osnabrück

Tuesday, December 28, 2010

Deutschland im Krieg


Osnabrück nennt sich Friedensstadt. Doch der Krieg ist, seit die Stadt sich diesen Zweitnamen zugelegt hat, auch immer Teil vieler Menschen, die hier leben. Bevor die Bundeswehr in Kriegsgebiete geschickt wurde, hatten wir zum Beispiel die Briten, die schon bei der Operation Desert Storm 1990 im Zweiten Irakkrieg eingesetzt wurden.
Abschied 2006

Meiner Meinung nach gab es vor Ort nie großes Interesse, sich mit den Details des Einsatzes und den Erfahrungen der Soldaten auseinanderzusetzen. Das hat sich fortgesetzt, als deutsche Bundeswehrsoldaten im Kosovo, in Bosnien und später Afghanistan stationiert wurden.
Ich habe das Gefühl, entweder lehnt man Kriegseinsätze ab, oder man billigt sie. Nuancen sind seltener zu finden. Und obwohl viel über Krieg und Frieden gestritten wird, ist verhältnissmäßig wenig zu erfahren, was wirklich geschieht.
Diese jungen Iraker, Katholiken, die ihr Land verlasssen haben. Man hätte sie über ihre Erlebnisse, ihren Hintergrund, warum sie jetzt in Skandinavien leben, befragen können, 2005 beim Weltjugendtag in Osnabrück. Die Presse hat es als Fußnote registriert, das war es.
Iraker auf dem Weltjugendtag
Solche Lücken schließt zum Beispiel das Erfahrungsbuch der Bundeswehrsoldatin Daniela Matijevic. Aus Osnabrück stammend wurde sie in das Kosovo entsandt. Drei Monate dauerte der Einsatz. Und davon berichtet sie nun seit Monaten auf Lesereisen und Vorträgen. Zum Beispiel im letzten Jahr im Lutherhaus.
"Daniela's Blog"
Zuletzt gab es Resonanz in den Suttgarter Nachrichten:

Zwei Gesichter, die einen das Umdenken lehren. Daniela Matijevic und Heike Groos entsprechen nicht dem Bild, welches die Deutschen von einem Veteranen haben. Matijevic hat den Deutschen Veteranenverband gegründet; Groos ist zweite Vorsitzende des Bundes Deutscher Veteranen. 2010 hat die Bundesrepublik zwei Veteranen-Organisationen. Hier sitzen nicht Männer um die neunzig, die ergreifend von Stalingrad sprechen. Schlimm war das damals. Sofort werden Bilder wach im Blitzlicht der Erinnerung - lebendig selbst für die große Mehrheit der mehr und weniger Jüngeren, die den Wahnsinn des Zweiten Weltkriegs nur aus Erzählungen kennen oder aus Dokumentationen. Es fällt einem die Liedzeile der Kölner Rockband BAP ein, in der Wolfgang Niedecken singt: "Ich kenn von all dem zwar nur Bilder, doch die kenn ich ganz genau."
...

Der Kampf der Veteranen, von Claudia Lepping

Schon lange her, Erlebnisbericht von Pädagogen für bosnische Flüchtlingskinder - in Osnabrück Anfang der 90er:
Ein immer wiederkehrendes Thema ist auch in diesem Zusammenhang
die Schwierigkeit für uns Lehrkräfte, Distanz und Nähe zu
bewahren. Wir müssen viel Hintergrundwissen haben. Wir müssen
verstehen, warum alle Kinder blitzschnell unter den Tischen verschwinden,
wenn ein Hubschrauber dicht über die Gebäude fliegt.
Wir müssen beruhigen und auch trösten, z.B. bei Unglücksnachrichten
aus Bosnien. Dem können wir ausnahmslos gerecht
werden - keine und keiner von uns hat z.B. Probleme damit, Kinder
in den Arm zu nehmen, wenn sie das brauchen. Aber so manches
Schicksal geht einem so nahe, daß es "einem nachts auf die Bettdecke
springt", so der Stoßseufzer einer Kollegin. Unsere
PartnerInnen und Familienangehörigen beschweren sich manchmal
über das Gewicht, das die Arbeit mit den bosnischen Kindern
bekommt.


aus: Schwierigkeiten pädagogischer Arbeit
mit Flüchtlingskindern in der Schule -
und was wir dagegen tun können

Anke Fedrowitz

Monday, November 29, 2010

Wieder mal Osnabrück


Weltjugendtag Osnabrück
Originally uploaded by Jens-Olaf
Bischof Bode hat es getan. Was man sich sonst woanders von der Katholischen Kirche wünscht. Schuldbekenntnis und Aufräumen wegen der Mißbrauchsfälle. Selbst die TAZ lobte schon am 17. 11.:

"Ein Bischof hebt den Teppich an

Respekt verdient der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode. Denn sein konsequentes Vorgehen gegen sexuellen Missbrauch durch Geistliche ist alles andere als selbstverständlich. ..."

Nun hat er auch im Dom ein Zeichen gesetzt, und ich meine, woanders mit mehr Medienrummel, hätte das so kaum stattfinden können.
Für einige ist das immer noch zu wenig, nun ja. Aber wie gesagt, Bischof Bode war der Erste.
Foto NOZ:


Foto: Gert Westdörp
“Doch letztlich ist der Schaden nicht wiedergutzumachen“, sagte er. Die Taten dürften das Klima in der Kirche nicht weiter “unentdeckt vergiften“. Er betonte, dass die Missbrauchsfälle Änderungen in der katholischen Kirche in ganz Deutschland zur Folge haben müssten. Im Bistum Osnabrück sind bislang 28 Missbrauchs-Hinweise eingegangen.

Bei einer Klausurtagung im September hatten Laien und Priester über Konsequenzen für das Bistum geredet. Geplant ist unter anderem, mehr Frauen in kirchliche Führungspositionen zu bringen und den Einfluss von Laien in den Kirchengemeinden zu stärken. Bei dieser Klausurtagung war Bode auch um den Bußgottesdienst gebeten worden.

Come-On.de

Thursday, November 18, 2010

Gartengestaltung


In einem Film mit dem französischen Komödianten Jaques Tati, Mon Oncle, spielt ein futuristisches Haus eine große Rolle, auch der Garten. Den Film habe ich vor Jahrzehnten gesehen. Das Merkwürdige, tatsächlich haben wir lange Zeit diese Aussicht auf den Nachbargarten gehabt, vorweggenommene Realität:
Kinderbilder 069
Das zweite Foto ist jetzt ebenfalls Geschichte.

Ein Update, möglich:

Saturday, November 06, 2010

Sowas schon gesehen?


Untitled-Scanned-01
Originally uploaded by drakegoodman
Ich nicht. Drakegoodman ist ein Mitglied von Flickr, und wir posten immer wieder über den 1. Weltkrieg. Aber so ein Gruppenfoto ist mir noch nicht untergekommen.

Thursday, October 21, 2010

Ein Osnabrücker in Schwäbisch Hall, oder was !?


Ein Osnabrücker?
Originally uploaded by Jens-Olaf
Diese Begegnung mit einer bekannten Skulptur aus Osnabrück hatte ich schon fast vergessen. In Schwäbisch Hall stand auf einmal der "Mann im November" von Waldemar Otto am Marktplatz.
1974 wurde die Figur geschaffen.

Ist er in den Südwesten ausgewandert, weil dort der November erträglicher ist, oder hat er einen Doppelgänger?

Monday, October 18, 2010

Warburg - noch `ne Stadt mit Steinwerkgeschichte

Osnabrück hat westfälische Wurzeln, also ist Warburg Nachbarschaft. Ostwestfalen. Eine der Städte in Deutschland, die unbekannt sind, aber die einen überraschen können, wenn man sie das erste Mal besucht. Vorausgesetzt man mag alte Städte.
Und jetzt kommen die unvermeindlichen Parallelen mit Osnabrück. Sie besitzt eine Alt-und eine Neustadt. Beide alt und vereinigt. Anders als bei uns bauten sie am Ende ein gemeinsames Rathaus genau auf der Grenze.
Stadtbild: Durch die Gebirgslage ist ein Teil Oberstadt, der andere Unterstadt. Und die Stadt soll ehemals Steinwerke besessen haben, jedenfalls laut dieser Webseite der Familie Thonemann:

Neben den Fachwerkhäusern („hüser“) und Steinwerken („steyn kameren“) gab es in der Altstadt von Warburg auch eine Anzahl von steinernen Wohnhäusern, die in alten Urkunden als „steynhüser“ ausdrücklich hervorgehoben wurden und sich vorwiegend im Besitz von Adeligen und Patriziern befanden. Da diese Oberschicht ihr Einkommen aus Lehnsgütern, ministralen Ämtern oder der Beschäftigung von Bediensteten bezog, war in ihren Häusern ein der Straße zugeordneter Wirtschaftsraum („Deele“) nicht notwendig. In der Regel wurden die Steinhäuser über die meist großen Grundstücke von der Traufseite her erschlossen und wahrscheinlich von mehreren Nebengebäuden umgeben. Das älteste datierte Steinhaus in Warburg ist das „Haus zum Stern“, Sternstraße 35, aus dem Jahre 1340, heute Stadtarchiv und Museum.

Hier wäre wissenschaftliches Referenzmaterial im Internet erwünscht, aber online ist wohl immer noch ohne Zukunft, stellenweise.Warburg erreicht man in anderthalb Stunden mit dem Auto Richtung Kassel.


Vom selben Fotografen die Burgruine Desenberg bei Warburg. Einer meiner favorisierten Orte: Quelle: Wikipedia Rekonstruktion der Burg.

Wednesday, October 13, 2010

Ältestes Steinhaus in Volkmarsen - ein Steinwerk?


Ältestes Steinhaus in der Volkmarser Altstadt stellt sich vor Bildergalerien Foto & Video / WLZ/FZ-online.de


Da ich andauernd das Netz nach steinernen Gebäuden des Mittelalters absuche, landet man doch ab und zu einen Treffer, was steinwerkähnliche Bauten betrifft. Seit 2009 ist das älteste Haus von Volkmarsen wieder hergerichtet. Baujahr um 1350.

Ältestes Haus in der Altstadt Volkmarsens
700 Jahre Stadtgeschichte in die Neuzeit gerettet


und

Ältestes Haus in der Volkmarser Altstadt stellt sich vor

Auch hier Parallelen mit den Osnabrücker Steinwerken. Aber Zufluchtstätte für Adlige, wieso eigentlich? Also dann eher die Bremer Variante, Schutz vor Dieben, wenn man unterwegs ist.

Umso deutlicher rückt das alte Steinhaus in den Blick des Betrachters. Das zweigeschossige Gebäude mit Keller wurde wahrscheinlich um das Jahr 1350 aus Buntsandstein als Speicher für Getreide und Zufluchtstätte für Adelige errichtet.
Der Baustoff Stein galt als wertvoll und wurde hier aus Brandschutzgründen verwendet. So konnte dieses Gebäude den großen Stadtbrand von 1668 überstehen. Davon zeugen Rußspuren.


Volkmarsen liegt in Nordhessen.

Monday, October 11, 2010

Return of the Swamp Ladies of Estonia

Return of the Swamp Ladies of Estonia
Wer schon mal ein größere Anzahl von Dokumenten eingescannt und hochgeladen hat, weiß, wieviel Arbeit in diesem Post steckt. Hier finden sich viele Abbildungen vor allem aus Büchern mit denen Kinder in Estland groß geworden sind.

Saturday, October 09, 2010

Merkwürdig


Quelle
Da erscheint ein Buch über Osnabrück, aber es gibt kaum eine deutschsprachige Erwähnung darüber im Internet. Immerhin hat Panikos Panayi, ein britischer Historiker, die Jahre zwischen 1929 bis 1950 untersucht. Schwerpunkt ist die Alltagsgeschichte, besonders zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen und Minderheiten. Ich bin jetzt erst darauf gestoßen.


Wenigstens Sebastian Weitkamp von der Universität Osnabrück hat über das Buch eine Rezension verfasst:
...
Als zentrale Zielsetzung des Buches sollen die Kontinuitäten und Diskontinuitäten im Alltagsleben ethnischer Gruppen in Osnabrück von 1929 bis 1949 beschrieben werden, wozu der Migrationswissenschaftler insbesondere die Erfahrungen von christlichen und jüdischen Deutschen, Flüchtlingen, Sinti und Roma sowie Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen untersuchen möchte. Vielversprechend ist dabei der zeitliche Rahmen der Untersuchung, der nicht – wie oft üblich – auf die Zeit des Dritten Reiches beschränkt bleibt, sondern bewusst den Bogen schlägt von der Krise der Weimarer Republik bis in die ersten Nachkriegsjahre. Panayi begründet dies damit, dass alle genannten Gruppen in dem angegeben Zeitrahmen enormen Umbrüchen und Transformationen im Individuellen wie im Gesellschaftlichen ausgesetzt waren. ...


http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2008-1-141

Panayi, Panikos
Life and Death in a German Town. Osnabruck from the Weimar Republic to World War II and Beyond
Macmillan: Life and Death in a German Town: Osnabrück from the Weimar Republic to World War II and Beyond (International Library of Twentieth Centruy History): Panayi: Books

Wenn man weitergoogelt, findet man immer wieder Osnabrück in Panayis Arbeiten, so auch Immigranten aus dem Osnabrücker Land in England im 19. Jarhundert.

A small number of immigrants from the Osnabrück district entered the country because members of their families already lived there. For instance, Anton Friedrich Schröder emigrated from Quakenbrück in 1866 because of the residence of his brother-in-law in London, while Johann Thies, who left in the same year, had an uncle in London.[24] More solid evidence for chain migration exists in the residence of Germans from particular states in particular areas of Britain. For instance, for much of the nineteenth century east London acted as a focus for natives of Hanover and Hesse.[25]


aus: The Settlement of Germans in Britain
during the Nineteenth Century


Andrew Stuart Bergerson mit einer kritischen Betrachtung des Buches:
National History Locally Illustrated

Saturday, October 02, 2010

Stuttgart

bei Stuttgart


Stuttgart
Originally uploaded by Jens-Olaf
Vorzeigedeutschland, so kommt es einem vor, wenn man nicht mehr im Lande wohnt und wieder mal vorbeischaut. Jedenfalls die Gegend um Stuttgart.
Vor einem Jahr auf der Durchreise nach Schwäbisch Hall. Seitdem habe ich nur durch das Internet Kontakt mit deutscher Politik. Und was man nun aus Stuttgart wegen des Projekts Stuttgart 21 zu sehen bekommt, scheint etwas Anderes als politisches Tagesgeschäft zu sein. Mittlerweile hatte ich kein Gefühl mehr für Stimmungen, aber hier scheint sich noch was anzubahnen.

Für mich nachvollziehbar ist vor allem die Kritik an den steigenden Kosten, ein typischer Faktor bei Großprojekten. Man fängt mit zwei Milliarden an und nach und nach ändern sich die Ziffern. Das mit dem: Wir haben alles demokratisch beschlossen, ist richtig. Aber, wenn sich die Sachlage ändert?


Wikipedia: Stuttgart 21, die Diskussion

Tuesday, September 21, 2010

Der Duisburg-Osnabrück-Vergleich


Saubere Arbeit, ich liebe Visualisierungen. Gerade, wenn es um das eigentliche Mittelalter geht. Also die Zeit, wo noch nicht das bei uns übliche Mittelalter-Stadtbild vorliegt. Meist steht in unserem historischen Gedächtnis eine Stadtkonstruktion von 1500 oder 1600. Nur als die Städte ihre ersten Ummauerungen bekamen, sah es oft noch anders aus. Die Stadt Duisburg, im weiten Umkreis der frühen westfälischen Städte, hat die bisherigen archäologischen und historischen Kenntnisse zu dieser Darstellung modelliert:

Duisburg 1200


Das Ganze ist auf der Seite Archäologische Ruhrzeiten zu finden

Oben sieht man die Ähnlichkeit zu der Rekonstruktion der Bremer Stadtlandschaft um 1300. Größte Auffälligkeit sind die Steinhäuser und das recht großzügige Freilandverhältnis innerhalb der Mauern.
Der Vergleich mit den Steinwerken in Osnabrück steht noch aus, aber Parallelen sind erkennbar:

Besonders die Steinbauten mit einem Vorderhaus. Ich wüsste zu gern, ob es hier einen Austausch mit dem Osnabrücker Forschungsstand gibt.

Saturday, August 28, 2010

28.08.10


28.08.10_68
Originally uploaded by robbodog
robbodog mit einer ganzen Fotoserie zu den Fluten in Osnabrück. Hier das THW im Einsatz.

Hochwasser im Osnabrücker Land

jp meyer hat diese Aufnahme wohl bei Melle gemacht, tippe stark auf die Haseniederung, die selten so überschwemmt wird.
In Osnabrück gab es deswegen schulfrei.

Tuesday, July 27, 2010

Unsere Nachbarn

Der Erste Weltkrieg. Und in den Gesichtern ist der selbe Ausdruck, wie er über 20 Jahre später wieder passen könnte. Zeitlos. Belgische Soldaten.

Flickr-Mitglied "drakegoodman" lädt unablässig alte Fotos hoch, vor allem von deutschen Soldaten dieser Zeit. Und es interessant zu beobachten, dass selbst über 90 Jahre später die Bildererinnerung wieder zunehmen kann. Dank Internet. Sonst würden unsere Eindrücke auf einige wenige Bilder reduziert, trotz Millionen toter Soldaten. Das ist der Gegentrend.

Sunday, July 11, 2010

Hexen und Zauberinnen in Osnabrück


Wer ein wenig die Osnabrücker Geschichte kennt, wird sehr bald auf die sogenannten Hexenverfolgungen stoßen, die in Wellen im 16. und 17. Jahrhundert auftraten.
Gemeinhin wird so etwas dem Mittelalter unterstellt. Und das beginnt in Osnabrück um 800. Bis Mitte des 16. Jahrhundert müssen also fast 800 Jahre vergehen und wir landen dann aber nicht im Mittelalter, sondern in der Neuzeit. Viele Faktoren führten zu den in diesem Maße unbekannten Vorgehen gegen verdächtige Personen, vor allem Frauen.
Auf Themenführungen durch die Osnabrücker Altstadt kann man die örtlichen Details erfahren und ein Historiker bestätigt in einem 2007 erschienen Buch die in Osnabrück erklärten komplexen Zeitumstände, Änderung der Rechtsanwendung oder zum Beispiel:
"Theoretisch hätten die Prozesse vor ein kirchliches Gericht gehört - und die populären Vorstellungen nehmen genau das an-, aber es sind die weltlichen Gerichte, die im Sinne der von den spätmittelalterlichen Stadträten entwickelten Aufsicht über die Sitten diese Prozesse führten." (Schubert 2007). Passt genau auf Osnabrück.

Ernst Schubert in "Räuber, Henker, Arme Sünder (2007):

Im Kapitel 7 Die Hexenprozesse:

Die Forschungsgeschichte der Hexenprozesse erweist, wie tief das Vorurteil von der Grausamkeit des Mittelalters selbst in der Wissenschaft verwurzelt war. Ungeachtet aller Quellenaussagen stand lange fest: Der Hexenwahn gehört zum Mittelalter; die frühneuzeitlichen Massenprozesse sind nur Folgeerscheinung. Kritische Stimmen gegen diese Auffassung mehren sich zwar seit etwa zwei Dezennien, aber sie sind erkennbar noch nicht in das allgemeine Bewusstsein gedrungen.


Im Gegensatz dazu ist im Buch der Johanneskasten im Bucksturm erwähnt, und hier treffen wir nun eher auf einen ungewöhnlichen aber mittelalterlichen Strafvollzug.

Wie akribisch Vorgänge um verfolgte und als Hexe beschuldigte Frauen in Osnabrück aufgezeichnet wurden, zeigt dieser Brief der Ratsherren vom 7. Mai 1583 an das Domkapitel, dass besagte Frauen, die auf die katholische Johannisfreiheit der Neustadt geflohen waren, auszuliefern seien. Ein diplomatisches Schriftstück. Im übrigen wird hier von Zauberinnen gesprochen:


Johanniskirche Osnabrück
Johanniskirche, Kapitelhaus
In diesem Bereich Osnabrücks gab es keine Hexenverfolgungen.

Thursday, July 01, 2010

Das Dreieck

Now we (German fans) feel the same
Eines der Bilder, an die ich mich gut vor vier Jahren in Osnabrück erinnern kann, ist der türkische Fan vor einem Supermarkt in der Iburger Straße. Nicht die deutsche Mannschaft hatte er unterstützt sondern die argentinische bei der WM 2006. Und die hatte gerade verloren.
Nur, diesmal spielt unter anderem Mesut Özil, geboren in Gelsenkirchen, und alles sieht ziemlich anders aus im deutschen Nationalteam.
Cyrus Farivar hat einen kurzen Podcast darüber verfasst. Cyrus, ein Iraner aus San Francisco, jetzt in Bonn lebend. Neue Zeiten:
Mesut Özil

Steinernes Mittelalter in Osnabrück

Fachwerk steht für Mittelalter, so sehen es viele. Auch in Osnabrück. Doch ist Holz wirklich der wichtigste Baustoff gewesen? Zumindest besteht der Verdacht, dass er in Osnabrück nur bedingt eine größere Rolle spielt. Der Historiker Dr. Karsten Igel hat dazu einen Beitrag verfasst, der seit einigen Monaten im Internet nachzulesen ist:
Die Rekonstruktion des städtischen Raums

... Und, etwas provokativ gefragt, wo finden sich
denn die eindeutigen Belege für diese Fachwerkhäuser? Denn im Blick
auf das Baumaterial täuschen auch die repräsentativen Fachwerkgiebel
der großen Dielenhäuser des 16. und 17. Jahrhunderts (Abb. 6), die nach
zwei verheerenden Bränden der Jahre 1530 und 1613 entstanden:
Mit ihren massiven Brandmauern und rückwärtigen Steinwerken waren sie
eigentlich Steinhäuser mit Fachwerkgiebeln.
Das bisherige Rekonstruktionsmodell beruht wohl auch auf dem Gedanken, dass das Steinwerk vor allem dem Brandschutz diente, das Vorderhaus daher brandgefährdet,
also hölzern, gewesen sein müsse.
Ein so massiver Baukörper diente aber ebenso der sozialen Distinktion.
Auf die Baugestalt wirkten zudem die Möglichkeiten der Baustoffversorgung ein: Während Stein und Kalk unmittelbar vor den Osnabrücker Stadttoren abgebaut werden konnten und Steinbau dank der geringen Transportkosten somit vergleichsweise
günstig war, konnten die Verknappung von Holz und die daraus folgenden
Preissteigerungen gerade auch aufwändig gestaltete Fachwerkgiebel zu
einem repräsentativen Prestigeobjekt werden lassen.
Für die Fachwerkgiebel des 16. und 17. Jahrhunderts sollte auch der Einfluss von Moden bedacht werden, auf einen Wandel vom Stein zum Fachwerk hat Heinrich Stiewe im Rahmen seiner Arbeit zu Blomberg hingewiesen.
Die Strukturen des Spätmittelalters müssen sich darin jedenfalls nicht notwendig
widerspiegeln. Die hohe und günstige Verfügbarkeit von Stein dürfte
auch die anscheinend beispielslos massive Bauweise der Osnabrücker
Steinwerke erklären, macht es aber ebenso wahrscheinlich, dass über
diesen Bautyp hinaus Steinbau alles andere als die Ausnahme im mittelalterlichen Osnabrück war. ...

Hier ein Beispiel für ein vermeintliches Fachwerkhaus in der Kleinen Gildewart. Von der Seite sieht es schon ganz anders aus:
Gildewart
Und noch mehr, wenn ein Steinwerk dazugehört wie in der Krahnstraße, Marienstraße:
Osnabrück Steinwerk Cafe Laer
Und auch die Höfe und Herrensitze in Osnabrück neigten zum Steinbau, der Hakenhof in der Neustadt ist so ein Beispiel:
Osnabrück Neustadt